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Schwerionentherapie am Beispiel für maligne Speicheldrüsen-Tumoren

Bösartige Speicheldrüsen-Tumoren sind sehr seltene Tumorerkrankungen, die in der Bundesrepublik durchschnittlich bei etwa 1.000 Patienten pro Jahr neu diagnostiziert werden (Inzidenz: 1,31:100.000 pro Jahr). Die häufigsten Speicheldrüsen-Tumoren sind Mukoepidermoid-Karzinome (MEC), Azinuszell-Karzinome aber auch Adenoidzystische Karzinome (ACC).

Besondere Herausforderungen in der Therapie
Da diese Tumorarten meist langsam wachsen zunächst nur uncharakteristische Beschwerden verursachen, werden die Tumore häufig erst in fortgeschrittenen Stadien festgestellt. Aufgrund ihres Wachstumsmusters können fortgeschrittene Speicheldrüsen-Tumoren schwer komplett entfernt werden, benötigen andererseits aber auch eine hohe Strahlendosis, um eine dauerhafte lokale Kontrolle zu erreichen.

Vorteil der Therapie mit Schwerionen
Mit herkömmlichen Standardverfahren (IMRT: intensitäts-modulierte Strahlentherapie) gelingt zwar eine sinnvolle Schonung dieser Strukturen, allerdings kann die notwendigen Strahlendosis im Bereich des Tumors häufig nicht erreicht werden. Im Vergleich hierzu lässt die Therapie mit C12-Schwerionen aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften einen deutlich steileren Dosisabfall hin zum Normalgewebe zu, so dass im Tumor eine höhere Bestrahlungsdosis erreicht werden kann. Dieses Prinzip wurde erstmals im deutschen klinischen Pilotprojekt zur Erforschung der C12-Schwerionentherapie 1997 in Kooperation mit der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) Darmstadt eingesetzt.

Die Langzeitdaten der mit einer Kombination aus IMRT und C12-Schwerionen behandelten Patienten mit Adenoid-zystischen Karzinomen zeigen zum einen eine deutlich verbesserte lokale Kontrolle im Vergleich zum Standard-Verfahren (IMRT) (59,6% vs. 39,9% nach 5 Jahren), aber auch einen mittleren Überlebensvorteil von >12 Monaten. Bereits 2005 hatte die erste Auswertung des Pilotprojekts zur Zulassung der C12-Schwerionentherapie als strahlentherapeutisches Verfahren der Wahl bei Adenoidzystischen Karzinomen geführt.
Quelle Jensen, Cancer 2015

Stand der Wissenschaft
Heute weiß man, dass gerade bei fortgeschrittenen Tumoren, die bereits die umgebenden Strukturen erreicht haben und infiltrieren (T4) und die nur mit erheblichen Folgen chirurgisch entfernt werden können, die C12- Schwerionentherapie eine mutilierende Operation ersetzen kann, ohne dass für die Patienten ein nachteiliger Effekt auf die Krankheitskontrolle entsteht. Die Strahlentherapie für diese Patienten stellt somit eine valide Alternative dar. Diese Daten konnten am bisher größten publizierten Kollektiv von über 300 Patienten mit Adenoidzystischen Karzinomen bestätigt werden. Auch bei non-ACCs konnte gezeigt werden, dass die Kombination aus IMRT und C12-Schwerionen hinsichtlich der behandlungsassoziierten Nebenwirkungen und der beobachteten Kontrollraten vorteilhaft ist. Entsprechend wird auch diesen Patienten eine Kombinationstherapie am MIT angeboten.

Am UKGM in Marburg wird die Therapie bösartiger Speicheldrüsen-Tumoren weiter vorangetrieben. Entsprechende Studien zur Untersuchung der Partikeltherapie, unter anderem bei Patienten mit Adenoidzystischen Karzinomen, sind derzeit in Vorbereitung.